EcoSur auf Deutsch
Haiti und EcoMaterials
Bericht Konferenz Ecomaterialien 4, Bayamo, Kuba
Bryce Gilroy-Scott, University of Glouchester
Das schreckliche Erdbeben
in Haiti anfangs 2010 hat auf tragische Weise die Bedeutung
empirischer und sozialer Forschung für die Entwicklung und Anwendung
von geeigneten, nachhaltigen und erschwinglichen Baumaterialien
hervorgehoben. An der Konferenz Ecomaterialien 4, die in Bayamo,
Kuba, vom 22.-24. November 2009 stattgefunden hat, war
genau
solche Forschung Thema.
EcoSur Netzwerk nach Haiti
In dieser Woche wird ein Team des EcoSur-Netzwerkes nach Haiti reisen. Marcos Macanche, der in Sozialprojekten erfahrene Bauleiter in Nicaragua, Victor Granja, ein junger dynamischer Ingenieur mit Erfahrung in der Produktion und Kurt Rhyner werden sich in Santo Domingo treffen und dann per Bus nach Haiti reisen.
Sie werden in Port au Prince von Ely Thelot, einem haitianischen Dozenten der Uni Genf empfangen und in erster Linie den voraussichtlichen Standort für das "Glarner-Projekt" besuchen. Man hofft, dass dort bereits praktische Entscheide gefällt werden können.
Es werden aber auch andere Standorte besucht, von verschiedenen Schweizer, Deutschen und Portugiesischen Organisationen kamen Anfragen für eine Zusammenarbeit. Die Zusammenarbeit mit lokalen Universitäten ist wichtig und auch die Koordination mit den Internationalen Organisationen.
Der Projektbeginn wird wohl im Aufbau einer ersten Produktionswerkstatt bestehen, während die Vorbereitungen laufen um für die obdachlosen Rückkehrer Land zu finden wo gebaut werden kann. In Zusammenarbeit mit Partnern sind wir daran die entsprechenden lokalen Kontakte zu knüpfen.
Dieses Land hat eine unglaubliche Kraft
Eindrücke aus Haiti von Anfangs März
Bevor wir über Haiti sprechen, sind wir in Gedanken bei den Menschen in Chile, die soeben auch ein schlimmes Erdbeben erlebt haben.
Nach einigen Tagen in Haiti und all dem Gesehenen ist klar, dass die Bevölkerung dringend Hilfe beim Wiederaufbau des Landes braucht. Wir besuchten verschiedene Camps, wo die Leute sich zusammen tun, um so gut wie möglich zu überleben. Aber ganze Strassen sind Camps. Menschen schlafen, wo immer sie können, ohne Infrastruktur.
Sie organisieren sich auf jede mögliche Weise, helfen sich selbst, ohne die Mittel zu haben, ohne Spenden, ohne Lohn, mit NICHTS. Oh ja, mit ihrer natürlichen Kraft, Kreativität, ihrer Liebe zum Leben und zu ihren Liebsten.
In den besuchten Camps hatten die Leute in der Regel keine Zelte, kein Wasser und kein Essen. Wie überleben sie? Es grenzt an ein Wunder. Trotz allem sieht man Kinder spielen, Jugendliche beim Ballspielen, junge Mädchen beim Frisieren. Die Leute hören haitianische Musik, singen und manchmal tanzen sie sogar, sie sprechen und lachen. Und all dies, obwohl sie zum Teil amputiert wurden oder verletzt sind, obwohl viele Familienmitglieder gestorben sind, ohne Häuser, ohne irgendetwas. Oh ja, mit ihrer tiefen Dankbarkeit zu leben.
Der Regen hat noch nicht mit voller Stärke eingesetzt…. aber es sind noch keine Zelte verteilt!
Die
Stadt ist zerstört und es scheint, dass 80% der noch stehenden Gebäude
abgerissen werden müssen, weil sie beschädigt sind und eine Gefahr
bedeuten.
Vor den improvisierten Camps sieht man Ankündigungen wie „Wir
brauchen Wasser und Essen, bitte arbeitet mit uns zusammen.“ Und man
bedenkt…. Hier ist NICHTS, nicht weil es in dem Land nichts gibt,
sondern weil es nicht verteilt wird!
Am Sonntag sind acht Kinder aus einem Spital in Port au Prince verschwunden, Menschenhandel ist offensichtlich.
Doch dieses Land hat eine unglaubliche Stärke und ich hoffe sehr, dass die Haitianer selbst in der Lage sein werden, am Wiederaufbau teilzunehmen.
Es ist wichtig, die Zivilbevölkerung mit ihren Initiativen, speziell in den Camps zu unterstützen, sie mit Essen und Wasser zu versorgen, Gemeinschaftsküchen zu organisieren und ihr nützliche Fähigkeiten beizubringen, so dass die Zeit gut genutzt wird, um die Teilnahme am Wiederaufbau vorzubereiten. Und es ist auch notwendig, finanzielle Unterstützung zu suchen, um die verantwortlichen Leute in den Camps zu bezahlen, da ohne diese nichts geschehen würde. Es braucht auch Mikrokreditprogramme, damit die Menschen, wenn sie die Camps verlassen, so gut es geht mit dem Wiederaufbau beginnen können. Deshalb ist es notwendig, den Leuten zu zeigen, wie sie nachhaltig mit wenig Mitteln bauen können.
Es gibt viel zu tun.

